Mehrwert Apotheke
Der Mehrwert, den Apothekerinnen und Apotheker dem Arzneimittel hinzufügen, ist im wesentlichen definiert durch Sicherheit und Qualität der Arzneimittelversorgung. Welche Faktoren sind es im einzelnen, die den Mehrwert Apotheke ausmachen?
Mehrwertfaktor 1: Pharmazeutische Betreuung
Pharmazeutische Betreuung beinhaltet wesentlich mehr als die herkömmliche und unverzichtbare Beratung. Die Apotheker schaffen mit einer permanenten Qualitätsverbesserung und neuen Dienstleistungen rund um die pharmazeutische Betreuung in enger Zusammenarbeit mit den Ärzten einen ganz unmittelbaren Mehrwert für das Gesundheitswesen im allgemeinen und für die Patienten im besonderen. Die ABDA hat gemeinsam mit ihren Partnern aus der Ärzteschaft ganz spezielle Betreuungsleitlinien vor allem für chronisch kranke Patientengruppen entwickelt. In Modellversuchen wurden und werden diese Leitlinien wissenschaftlich begleitet und auf ihre Machbarkeit in der Praxis überprüft. Ziel ist es, den Gesundheitszustand und damit die Lebensqualität des Patienten so weit wie möglich zu verbessern. Nicht nur der Patient zieht daraus Nutzen, sondern auch die Krankenkassen, denkt man beispielsweise an die Verringerung der Krankheitsfolgekosten.
Mehrwertfaktor 2: Heilberufliche Allianz
Die ABDA hat mit dem Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands in einer gemeinsamen Erklärung zur Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern die Ziele in der Arzneimitteltherapie definiert und dabei die sich ergänzenden Tätigkeitsbereiche und Verantwortung beider Heilberufe abgesteckt. Das bedeutet für den Patienten, dass Ärzte und Apotheker auf der Basis von Daten zur praktischen Evidenz und zur kontrollierten Erfolgskontrolle die Arzneimitteltherapie optimieren. Auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Forschungsergebnisse kommt ein verbesserter Erfahrungsaustausch den Patienten in der Arztpraxis und in der Apotheke unmittelbar zugute.
Mehrwertfaktor 3: Selbstmedikation
Jede dritte Arzneimittelabgabe erfolgt heute auf dem Wege der Selbstmedikation. Mit seinem Sachverstand hat der Apotheker die Aufgabe, die Eigendiagnosen des Patienten zu hinterfragen, das heißt der Apotheker diagnostiziert und therapiert nicht. In diesem Augenblick wirkt der Apotheker als der alleinige Arzneimittelfachmann. Mehrwert in der Selbstmedikation bedeutet Information und Beratung mündiger Patienten - dies sowohl bei der Auswahl rezeptfreier Präparate als auch bei der Abstimmung mit ärztlichen Verordnungen.
Mehrwertfaktor 4: Rezepturherstellung
Die Rezepturherstellung für die Patienten in Apotheken spielt neben den industriell hergestellten Arzneimitteln wieder eine wachsende Rolle. 14,5 Millionen Arzneimittel werden jährlich speziell und individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten abgestimmt und in Apotheken hergestellt. Das entspricht durchschnittlich 670 Rezepturen pro Apotheke pro Jahr. Die Rezeptur erlebt eine Renaissance durch die Herstellung innovativer Arzneimittel bei schwerstkranken Patienten, zum Beispiel in der Krebstherapie.
Mehrwertfaktor 5: Dienstleistungen in der Apotheke
Die Domäne des Apothekers ist in erster Linie das Arzneimittel, denn da ist er der Fachmann. Darüber hinaus sehen sich die Apotheker in der Pflicht, auch dafür zu sorgen, dass dort, wo es möglich ist, erst gar keine Krankheit entstehen zu lassen. Apotheken bieten deshalb eine Reihe von Dienstleistungen an, die von Aufklärungsaktionen über sogenannte Volkskrankheiten bis hin zur individuellen Gesundheitsberatung reichen. Das Schlagwort in diesem Zusammenhang heißt Vorsorge bzw. Prophylaxe. Nur das vom Staat vorgeschriebene System fester Arzneimittelpreise ermöglicht es, im Wege der Mischkalkulation diese und andere Dienstleistungen wie zum Beispiel den Notdienst, Arzneimittelprüfungen, Harnanalysen, Blutdruckmessen und weitere physiologisch-chemische Untersuchungen gegen geringe Gebühr anzubieten.
Mehrwertfaktor 6: Telematik
Von besonderer Bedeutung ist das Telematikprojekt der ABDA. Ziel ist es, bessere Behandlungs-, Beratungs- und Betreuungsstandards mit Hilfe einer Arzneimitteldokumentation auf einer Patientenkarte zu erreichen. Das bedeutet für Patienten mehr Sicherheit und Effektivität bei ihrer Arzneimitteltherapie, weil Ärzte und Apotheker zum Beispiel Doppelverordnungen rechtzeitig erkennen und vermeiden können. Schwerpunkt der Telematik ist es auch, die bundesweite Einführung des elektronischen Rezepts zu begleiten. Insbesondere bei der Bewertung neuartiger Therapiemöglichkeiten kann der Einsatz von Telematik im Gesundheitswesen dazu beitragen, Kosten zu sparen.
Mehrwertfaktor 7: Kommunikationsleistung der Apotheke
Das Wissen in der Medizin und das der anderen Wissenschaften verdoppelt sich alle zehn Jahre. Häufig wird vergessen, dass diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in einer auch dem Laien verständlichen Weise an die Verbraucher transportiert werden müssen. Dieses Informationsbedürfnis haben Apotheker erkannt und klären auf bei schwierigen pharmakologischen Zusammenhängen. Dazu gehören auch praktische Hinweise bei der Arzneimitteleinnahme wie etwa der Hinweis, bestimmte Antibiotika nicht zusammen mit Milch einzunehmen. Aber nicht nur bei bekannten Arzneimitteln ist der Apotheker gefragt, sondern auch bei neuen, innovativen Arzneimitteln, die oftmals in der Laienpresse als Wundermittel angepriesen werden. Dieser enorme Mediendruck schafft einen Informationsbedarf in der Apotheke, dem die Apotheker durch Aufklärungsarbeit über Wirkung, mögliche Nebenwirkungen, aber auch über das Kosten-Nutzen-Verhältnis und so weiter nachkommen.
Schlussbetrachtung
Diese sieben Punkte zeigen die wesentlichen Faktoren des Mehrwerts Apotheke auf, der nicht nur den gegenwärtigen Nutzen für die Patienten umfasst, sondern auch Projekte der Zukunft beinhaltet. Die ABDA als Spitzenorganisation der deutschen Apotheker stellt sich der ständigen Herausforderung, die Zukunft des Berufsstands aktiv zu gestalten und nicht nur zu verwalten. Die Philosophie lautet: "Global denken - lokal handeln". "Global" bedeutet, die ABDA will zusammen mit internationalen Apothekerorganisationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überregionale Zukunftskonzepte mitgestalten. Lokal handeln heißt, die dezentrale Apothekenstruktur mit ihrem hohen Qualitätsanspruch und Qualitätsniveau zu sichern und weiterzuentwickeln. Die Bevölkerung will die Apotheke als Institution des häuslichen Umfelds und den freiberuflich tätigen Apotheker als Vertrauensperson mit seiner persönlichen und unabhängigen Beratung. Zusammen mit der orts- und zeitnahen Zurverfügungstellung des Arzneimittels kommen die Apotheker dem kranken Menschen am nächsten. Sie akzeptieren, vertreten durch ihre Spitzenorganisation, die ABDA, nicht nur die gesellschaftlichen Herausforderungen nach einer sicheren, schnellen und kostengünstigen Arzneimittelversorgung, sie wollen sie darüber hinaus mit Unterstützung der elektronischen Medien patientenorientiert weiterentwickeln.
